Kalt: 17 Grad unter Null – meine Zehen sind jetzt, eine Woche nach meinem Wellenflug am 28.11., manchmal immer noch taub. Aber alles der Reihe nach.

Mit Matze Arnold, Julian Klemm und Chris Hiller hatten wir schon fünf Tage vorher entdeckt, dass sich die Wetterlage äußert gut für Ost-Wellen Flüge im Schwarzwald eignet. Am Freitag vor dem Treffen packe ich also alle Sachen zusammen, Georg von der LSG Bayreuth leiht mir spontan seine Sauerstoff-Anlage aus. Um 21 Uhr befinde ich mich auf der A9 Richtung Heimat.
An den zwei darauf folgenden Tagen lausche ich spannenden Themen meiner Fliegerkollegen beim D-Kader Treffen auf dem Klippeneck. Parallel checke ich mit Euphorie die Wetterkarten für den besagten Montag. Es ist klar, dass sich die Prognose bewahrheitet. Chris ist schnell überredet und organisiert unseren Helfer Peter. Leider müssen Julian und Matze – zwei Piloten mit Wellenflug-Erfahrung bei Ostwind Flug von Matze, Flug von Julian – spontan absagen. Die Beiden stehen mir zum Glück mit Rat und Tat zur Seite und geben ihre Erfahrungen weiter. Am Vorabend gegen 23 Uhr beende ich meine Flugplanung. Wir sind uns unsicher, wie sich die starke, vorhergesagte Nordkomponente des Winds auf die Wellen auswirkt.

Ostwelle Spots

Wellen Spot Karte

Powerpoint + https://maps-for-free.com/

Mit Hilfe vieler Flüge aus dem OLC und einer Wendepunkt-Datei von Matze habe ich alle Wellen-Spots auf einer Karte von Maps-for-free eingezeichnet.
So konnte ich mir auch ohne Ortskenntnisse meinen Flugweg im Kopf durchdenken.

Obwohl Ossi, unser Schlepppilot, mich für Verrückt erklärte („Du spinnst doch!“) schleppt er den OLC um 9 Uhr, eine Stunde nach Sunrise (wird nächstes Mal optimiert 🙂 ) Richtung Schwarzwald. Über Eutingen zünde ich den Turbo und rattle bis zur Schwarzenbachtalsperre. Chris in der 11 ist mittlerweile auch in der Luft und auf dem Weg zu mir.  So richtig tut sich über Forbach nichts und ich gleite weiter Richtung Norden, dem Murgtal folgend. In einer schwachen Welle nördlich Forbach steigen Chris und ich bis auf 3000 Meter. Ich muss mich erstmal an alles gewöhnen, es ist erst der dritte Wellenflug den ich mache. Der Flieger ist noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, wie es beim BW3 war. Zum Teil schiebe ich noch etwas durch die Kurven (Mir gehen die Worte meines Fluglehrers Heinz durch den Kopf „’s Fädle muss immer inder Midde sei“). Der erste Funkkontakt mit Langen ist etwas holprig und ich muss über mich lachen. Mehrmals werde ich aufgefordert endlich den richtigen Squawk einzustellen. Dummerweise habe ich mir das Gerät erst in der Luft angeschaut, aber auch dieses Problem ist bald gelöst und der Lotse glücklich.

Mit dem Ziel den Feldberg zu erreichen, drehen Chris und ich die Flieger wieder Richtung Süden und Fliegen zurück nach Forbach, um dann zur Hornisgrinde zu springen. Der eine oder andere Leser denkt sich jetzt vielleicht: „Hält er sich für Benni Bachmaier, oder was?“ (Wer ihn nicht kennt: Eine nachdrückliche Empfehlung an dieser Stelle! Er hat einen hervorragenden Blog.)  Ich möchte nur das fantastische Erlebnis meines ersten Strecken-Wellenflugs teilen. Mit Alpenflügen kann man das hier nicht vergleichen – aber jeder fängt ja mal klein an.

Nach dem Start

Kurz nach dem Start – immer noch Eis auf den Flächen

Blick nach Südwest

Blick Richtung Süd-West: Rheintal und Vogesen

Chris erwischt die Welle an der Hornisgrinde auf Anhieb, ich paddle vorerst zu weit im Südwesten. Wie fast immer an diesem Tag steht die Primärwelle direkt am Lee-Hang. In großer Höhe sogar direkt über dem Gipfelkreuz. Matze – der mehr Zeit in der Luft als am Boden verbringt – erklärt mir dieses Phänomen am Folgetag. Das Windprofil zeigt, dass der Wind mit zunehmender Höhe nachlässt. Aus Matzes Erfahrung verschieben sich die Wellen dann in in der Höhe in Luv-Richtung.

In der Welle der Hornisgrinde erreichen wir 5000 Meter MSL. Eine unfassbar tolle Aussicht hat man von dort oben. Man sieht über die Vogesen weg, die Alpen zeigen sich auf voller Breite, in Richtung Westen sehen wir Wolkenstraßen bis zum Horizont (siehe Titelbild). Wir haben eine Freigabe bis FL180, aber entscheiden uns für den Weiterflug Richtung Süden, als das Steigen schwächer wird. Die Fluglotsen sind sehr kooperativ und erlauben uns problemlos den langen Gleitflug gen Süden. Langsam (Groudspeed 180-200 km/h) tasten Chris und ich uns vor. Das eine oder andere Mal nehmen wir schwaches Steigen mit. Die Wellen-Spots aus Matzes Karte und meine akribische Routenplanung geben unseren Flugweg ziemlich genau vor. Schnell erkennen wir die Berge, die in der Theorie eine Welle werfen sollten. Ohne diese Zusatzinformationen wäre es ein Blindflug geworden. Matze versorgt uns Live über Whatsapp mit Daten aus dem OGN und bestätigt, dass alle Wellenspots anfliegbar sind und Steigen bringen.

Mit gestärktem Vertrauen sind Chris und ich im Handumdrehen am Feldberg. Mittlerweile auf knapp 3000 Meter suchen wir erstmal Steigen, um den Gegenwind-Schenkel Richtung Norden mit ausreichend Höhe zu beginnen. Über Todtnau finden wir nach einiger Zeit einen schwachen Aufwind – vermutlich waren wir etwas zu hoch. Etwas weiter unten sammelt uns eine ASG29 ein. Noch ist uns nicht klar, wer das ist und wir beachten den Flieger nicht weiter. Am Feldberg vorbei wieder Richtung Nord wird aber schnell ersichtlich, dass hier jemand mit Erfahrung fliegt. Chris und ich entscheiden uns der 29 zu folgen.

Im deutlich tieferen Höhenband als zuvor, fliegen wir zielstrebig die Wellen am Kandel, im Elztal und bei Biberach an. In der ASG sitz niemand weniger als Philipp Butz, bekannt für seine große Wellenflug Erfahrung im Schwarzwald. In der schwachen Welle im Elztal arbeiten wir uns langsam auf 2300 Meter. Die ASG verlässt uns nach kurzer Zeit. Wir entscheiden uns aber noch ein paar Höhenmeter zu machen. Unter uns müssen schon zwei Flieger ins Rheintal abgleiten, weil sie zu tief sind um in die Welle einzusteigen. Bei 2300 MSL entscheide ich mich ein bisschen weiter zu fliegen. Chris parkt derweil in der Welle um mir diese zu markieren, falls mein Plan nicht aufgeht. Über Ibach, südlich Oppenau hatten wir beim Flug in Richtung Süden noch Steigen gehabt. Dort angekommen leider nichts als saufen, saufen, saufen. Im Lee der Schwarzwaldhochstraße wäscht es mich richtig schön runter. Umdrehen, um zu Chris zurückzufliegen ist keine Option mehr.

Es bleibt einzig die Flucht nach vorne zur Hornisgrinde, die uns vormittags schon sehr schönes Steigen beschert hatte. Zügig fliege weiter und erkenne schnell, dass das eine enge Kiste wird. Schon bald bin ich nur noch knapp über Gipfelhöhe der Hornisgrinde. Für mich ist klar, im Lee brauche ich es nicht versuchen. Ich steuere also etwas weiter Süd-Westlich die Sekundärwelle an. Diese zu treffen ist mehr Glück, als Verstand, aber es klappt. Ich melde Chris, dass der Einstieg in 1350 MSL gelingt. Auch er beginnt den Anflug auf die Welle der Hornisgrinde.

Die Wellen-Spot Routenplanung

Hornisgrinde

Die Hornisgrinde aus etwas tieferer Position

Chris in der 11

Chris in der 11

Im Lee der Hornisgrinde sehe ich einige Fliegerkollegen kläglich scheitern, man kann förmlich sehen wie es mit 5 m/s runtergeht. Im OLC breitet sich nach dem spannenden Anflug wieder eine entspannte und glückliche Stimmung aus. Philipp Butz erkenne ich tief unter mir in die Welle einsteigen – also doch nicht alles falsch gemacht. Zusammen steigen wir kontinuierlich auf 2500 Meter. Wir schießen mit hoher Geschwindigkeit vor in die Primärwelle. Wie am Vormittag steht die Welle exakt am Lee-Hang und trägt uns mit über 2 m/s Steigen immer höher. Die Euphorie schlägt jetzt sogar auf die Lotsen über, der immer wieder gespannt fragt, wie die Welle trägt und uns ohne zu fragen Freigaben bis auf FL160 gibt. Dort angekommen frage ich freundlich, ob wir einen Endanflug in Richtung Albstadt starten dürfen. Am 28.11. ist alles möglich – der Fluglotse macht mir ein tolles Geburtstagsgeschenk. Wir dürfen in 5000 Meter MSL von der Hornisgrinde losgleiten. In über 4000 Meter passieren wir Musbach und gleiten entspannt im engen Formationsflug ab. Über Albstadt nach 80 km Gleitflug drehen wir nach Norden und fliegen Richtung Poltringen. Mittlerweile ist es 16.15 Uhr, noch 15 Minuten bis Sunset. Meine Füße spüre ich schon lange nicht mehr, eine Investition in Skyboots ist fest geplant. Mit breitem Grinsen setzen Chris und ich um 16.45 Uhr auf dem Flugplatz Poltringen auf. Was für ein Flug!

By | 2017-01-19T22:06:37+00:00 Dezember 10th, 2016|BLOG, OLC, Welle|7 Comments

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7 Comments

  1. Max Ruth 17. Dezember 2016 at 21:49 - Reply

    Hältst du dich jetzt für Benni Bachmaier, oder was?

    • Clemens 21. Dezember 2016 at 8:45 - Reply

      Hallo Max! Danke für deinen produktiven Beitrag 😉 Wir sehen uns auf dem Flugplatz.

  2. ???? 19. Juni 2017 at 19:11 - Reply

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