Es ist an der Zeit ein paar Tipps und einfache Regeln zum Interpretieren von Höhenwetterkarten weiterzugeben. Denn nichts ist ärgerlicher als eine gute Wetterlage zu spät zu erkennen und dann total überrascht einen guten Flugtag zu verpassen.

Keep in Mind

Bei den Vorhersagen der Höhenwetterkarten muss man im Hinterkopf behalten, dass sie aus numerischen Rechenmodellen entstehen. Dabei werden über das Vorhersagegebiet ein Gitter gelegt und für jedes Gitterelement in vorgegebenen Zeitschritten elementare Werte für das Klima errechnet. Daher besitzen alle Modelle eine begrenzte Auflösung. Die Vorhersagezeit in der die Modelle wahrscheinlich richtig sind liegt irgendwo zwischen 3 und 5 Tagen. Es lohnt sich daher täglich die Wetterkarten für einen Tag im Auge zu behalten. Ändert sich in der Vorhersage nichts scheint die Prognose realistisch. Auch können verschiedene Rechenmodelle wie z.B. ICON, GFS oder GEM verglichen werden. Zeigen mehrere Modelle das selbe Ergebnis wird es wohl sehr wahrscheinlich so eintreffen. (Ich nutze dazu die Multi-Modell-Ansicht der Wetterzetrale.)

Woher bekommt man Karten?

Wetterkarten für z.B. FL100 bekommt man bei kommerziellen Wetterdiensten wie beispielsweise dem DWD über die Seite flugwetter.de. Sehr gute, kostenlose Karten gibt es auf wetterzentrale.de; z.B. die 500 hpa-Karte im GFS-Modell.



Die großen Temperaturunterschiede kommen mit dadurch zustande, dass der Jet-Stream in großer Höhe nicht ideal entlang der Breitengrade verläuft, sondern eine wellige Bewegung macht. Wer sein Wissen zum Jet noch einmal auffrischen möchte, dem empfehle ich sich das Video von der ARD zum Thema Jet-Stream anzuschauen. Durch die Wellige Bewegung bilden sich sogenannte Tröge und Keile mit kalter bzw. warmer Luft.



Je größer die Amplitude des Troges ist, desto intensiver ist der Luftmassentransport auf der Vorder- bzw. Rückseite und somit die Wetterwirksamkeit. Tröge mit sehr großer Amplitude neigen zum Cut-Off und bilden dabei einen sogenannten Kaltlufttropfen.

Und was sagt mir das jetzt?

In der Mitte eines Troges oder Kaltlufttropfens steht immer ein Tiefdruckgebiet was aufgrund der großräumigen Hebung der Luftmassen für viel Kondensation, also großräumig viele massive geschlossene Wolken und Regen sorgt und uns daher keine guten Bedingungen zum Fliegen bringt. Diese schlechten Bedingungen finden wir aufgrund des Transportes feuchter, warmer Luftmassen in kalte Regionen schon auf der Vorderseite des Troges.



Dementsprechend steht in jedem Keil ein Hochdruckgebiet was für großräumiges Absinken der Luftmassen und Auflösung von Wolkenfeldern führt. Außerdem entsteht durch die Absinkbewegung eine Inversion an der Obergrenze unserer konvektiven Schicht, also der Schicht in der Thermik entsteht und die Luftpakete an guten Tagen nach oben und unten sausen. Dadurch ist der Konvektionsraum abgeriegelt und es entstehen keine Überentwicklungen mit Schauern oder Gewittern. Die Rückseite eines Höhentroges bietet uns Segelfliegern die besten thermischen Bedingungen zum Fliegen, da die Luft kalt und der Konvektionsraum nach oben begrenzt ist.

Diese großräumige Absinkbewegung entsteht auch wenn die Isobaren bzw. Isohypsen und damit die Windfiedern divergieren, also auseinander laufen. Man findet dann meist gutes Wetter mit Wolkenauflösung. Konvergieren sie hingegen kommt es zur großflächigen Schichtwolken.



Bei der Krümmung der Iso-Linien unterscheidet man in eine zyklonale und eine antizyklonale Krümmung. Im Bereich zyklonaler Krümmung herrscht in der Regel Hebung mit Wolken- und Niederschlagsbildung. Im Bereich antizyklonaler Krümmung dominiert in der Regel Hochdruckeinfluss mit großräumigem Absinken der Luft und Wolkenauflösung.



Beispiele:

Bsp1: An dieser Stelle befinden wir uns auf der Trogvorderseite, was normalerweise nicht sehr verheißungsvoll ist. Allerdings sind die Isohypsen antizyklonal gekrümmt. Ein Blick in die Bodenwetterkarte bestätigt die Vermutung: Hochdruckeinfluss, es wird fliegbar.
Bsp2: Anders sieht es im Gebiet vor der Trogachse mit zyklonaler Krümmung aus. Hier entstehen einige Gewitter.

An den Schnittpunkten der Isohypsen mit den Isothermen lassen sich Advektionsvorgänge erkennen. Es lässt sich leicht merken: Weht der Wind von Warm nach Kalt spricht man von Warmluftadvektion. Weht der Wind von Kalt nach Warm spricht man von Kaltluftadvektion. Kaltluftadvektionen sind in der Regel günstiger für Thermik, da wie der Name schon sagt kalte Luft herangeführt wird und somit die Konvektionsvorgänge belebt. Außerdem kann abends langanhaltend Thermik, auch bei geringer Sonneneinstrahlung, entstehen, da die Umgebungsluft schön kalt ist. Warmluftadvektion hingegen schiebt von oben einen Deckel auf den Konvektionsraum, sorgt für Blauthermik und ein früheres Thermikende. (Besser lassen sich Advektionsvorgänge allerdings in den Vorhersagen für den Höhenwind ableiten. Eine Rechtsdrehung des Windes mit zunehmender Höhe bedeutet Warmluftadvektion. Eine Linksdrehung bedeutet Kaltluftadvektion.)

Soweit einmal mein, hoffentlich korrektes, Wissen zu den aus meiner Sicht wichtigsten Basics beim Interpretieren von Höhenwetterkarten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die korrekte Auslegung jedoch einiges an Übung braucht und man sich nicht schämen muss, wenn man einmal daneben liegt. Die Meteorologie ist nämlich durchaus komplex und schnell übersieht man den einen oder andern Gesichtspunkt bei der Interpretation.
Wer sich weiter in dem Thema vertiefen möchte, dem empfehle ich die Dokumentation des DWD zu Höhenwetterkarten, welche auf deren Homepage zu finden ist. Online findet man auch gute Webseiten wie z.B. von Sven Plöger und Gerd Pfeffer. Für verständlich erklärtes physikalisches Hintergrundwissen empfiehlt sich außerdem das Buch “Meteorologie für Segelflieger” von Henry Blum.

By | 2017-03-05T16:23:31+00:00 Januar 23rd, 2017|BLOG, Meteorologie|0 Comments

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