Ein kleiner Rückblick auf die zu Ende gegangen Saison.

Da ich die “Juliett Oscar” bereits im letzten Jahr zur Verfügung hatte, warteten keine Überraschungen auf mich, als ich den Flieger in Südfrankreich zum erste Mal dieses Jahr aus dem Hänger zog. Neu waren die Winglets, die erst kurz zuvor bei DG Flugzeugbau fertig geworden waren und die Fahrt nach Frankreich noch auf den Auto Rücksitzen zurücklegen mussten. Zusammen mit Chris Hiller vom FSV Herrenberg und Clemens Pape von der LSG Bayreuth verbrachte ich in Puimoisson die ersten drei Wochen der Saison. Die erste Woche war noch von schwierigem Wetter mit viel Feuchtigkeit geprägt und es gelangen nur kleinere Flüge.

„Die folgenden Wochen waren vom Wetter absolut außergewöhnlich.“




Im direkten Vergleich mit dem Discus 2b konnten die Neo-Winglets direkt überzeugen. Wir durften beeindruckende Landschaften wie das Plateaux du Vercors auf dem Weg nach Grenoble genießen. Auch die abendlichen geländenahen Endanflüge am Parcours zählen sicher zu den besonderen Erlebnissen als Segelflieger. Mehrmals konnten im Team über 700 Kilometer geflogen werden. Im letzten Frühjahr war das Modane-Tal auf Grund von niedrigen Basishöhen und fehlender individueller Erfahrung noch eine Barriere nach Norden gewesen. Nun aber führten uns unsere Flüge weiter nach Norden am Mont Blanc vorbei bis zum Matterhorn. Und auch nach Osten konnten wir uns dank sehr hoher Basishöhen an Nizza und Monaco vorbei Richtung Albenga vorarbeiten. Über die Po-Ebene hinweg nach Norden den Alpenbogen zu betrachten, wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben. Einem noch längeren Aufenthalt entgegen stand nur das immer besser werdende Wetter in Deutschland.

Um den 20. April ergab sich dann die erste richtig gute Lage. Während der Vortag noch sehr labil war und das Sauerland und der Westerwald komplett mit Schneeschauern bedeckt waren, machte sich nun der Hochdruckeinfluss immer mehr bemerkbar. Die gute Luftmasse erlaubte eine Flugzeit von neun Stunden und über 800 Dreieckskilometer. Leider trocknete es abends sehr stark ab, so dass das Wetter sehr schwer einzuschätzen war und ich mich nicht mehr traute, den letzten Wendepunkt anzufliegen.

Ende April  folgte für die Junioren aus Rheinland-Pfalz das D-Kader Trainingslager. Ich wollte auf Grund einer Erkältung zwar nicht selber fliegen, konnte aber aus dem Doppelsitzer zum ersten Mal die Vogesen fliegerisch erkunden. Ich hoffe, nächste Saison aus Nastätten mit dem OLC hier anzuknüpfen und die Streckenflüge auch nach Frankreich hinein zu legen.

Dieses Frühjahr tankte ich oft Wasser und flog mit vergleichsweise hohen Flächenbelastungen, um einerseits für meinen Verein, den AC Nastätten in der Bundesliga punkten zu können und mich andererseits auf die Deutsche Meisterschaft der Standardklasse in Zwickau vorzubereiten.

Wiedermal zeigte sich, dass unser Verein gerade bei schwierigem, von hoher Feuchtigkeit und tiefer Basis geprägtem Wetter immer sehr gut unterwegs ist, so dass Anfang Mai ein Rundensieg in der Segelflug-Bundesliga gelang.



„Ein paar Wochen bevor es in Zwickau losgehen sollte, signalisierten die Wetterberichte einen Hammertag.“

Eine gute Lage im Westen Deutschlands Anfang Mai hatte ich leider verpasst, da ich kurzfristig zum Fliegen nach Bayreuth gefahren war. Nun aber war der Flieger bereits am Vorabend aufgerüstet und betankt worden und so konnte ich bereits um halb zehn hinter dem vereinseigenen Motorsegler starten.

Der nordöstliche Teil des Hunsrück, der auf den meisten großen Flügen aus Nastätten den ersten Bart bereit hält, konnte bereits kurz vor zehn mit kapp drei Meter aufwarten. Das richtige Timing zu erwischen, um zu Thermikbeginn, nicht unter 900-1000 Metern Höhe bei den Windrädern am Soonwald anzukommen, sorgt morgens meist für einen spannenden ersten Teil des Fluges. Ich folgte dem Verlauf  des Hunsrücks weiter in südwestliche Richtung und wendete an der deutsch-französischen Grenze Richtung Rheintal. Oft probierte ich diese Saison, hier eine Freigabe zu bekomme, um den Schenkel weiter in thermisch gutes Gebiet nach Frankreich hinein zu verlängern, ohne Transponder war dies aber immer vergeblich.

Im Rheintal stieß ich dann auf ein stark abgeschattetes Gebiet, in dem Konturen nur schwer auszumachen waren. Ichs setzte alles auf eine Karte, flog den Königsstuhl, der an der Odenwaldkante bei Heidelberg liegt, tief an und prallte ab. Im untersten Stockwerk musste ich nun im Rheintal herumbasteln. Abends standen 880 Kilometer auf der Uhr, mit einem etwas konservativeren Flugstil hätten es an diesem Tag aber wohl an die 950 Kilometer mit der Standardklasse aus Nastätten werden können.



„Mein Ziel, immer den frühstmöglichen Startzeitpunkt zu finden, ging auch manchmal schief.“


Beim folgenden Wettbewerb in Zwickau konnte ich meinen Erwartungen nicht gerecht werden. Obwohl die ‘JO’ mit den neuen Winglets gerade im Vergleich zu den anderen Fliegern leicht im Vorteil war, traute ich mich unter all den Toppiloten nicht, an den entscheidenen Stellen eigene Entscheidungen zu treffen und fühlte mich oft unter Druck gesetzt. Am Ende landete ich auf einem Platz im hinteren Mittelfeld, so dass an Erinnerungen bloß die großen Pulke über den beeindruckenden Landschaften des Erzgebirges bleiben.

Der Juli konnte dieses Jahr leider aus dem Westen heraus nicht mit guten Wetterlagen aufwarten.  Sollte es das schon gewesen sein?



„Anfang August, während unseres Fliegerlagers, deutete sich nochmals ein guter Tag an.“

Morgens wollte sich der Nebel über Nastätten erst spät lichten, und so klinkte ich erst kurz vor elf hoch über dem ‘Blauen Ländchen’ das Schleppseil aus und glitt – diesmal mit 18 Metern Spannweite – Richtung Hunsrück.

Es war ein befreiendes Gefühl, endlich mal wieder bei gutem Wetter eine freie Strecke zu fliegen und der Spaß, der in Zwickau etwas verloren gegangen war, kam zurück. Mit 18 Metern und ca. 150 Litern Wasser kannte die LS8 kein Halten mehr, nach der Wende ging es in unter drei Stunden aus dem Saarland bis zum Thüringer Wald. Danach dann über Rhön und das Knüllgebirge bis ins Sauerland. Zurück in Nastätten war die Basis abends im Hunsrück bis auf 2200 Meter angestiegen, so dass nach Thermikende noch eine halbe Stunde abgeglitten werden konntest und abends 920 Kilometer im OLC standen. Wäre es morgens genauso früh los gegangen wie an anderen Tagen, hätten man sich an diesem Augusttag durchaus eine vierstellige Kilometerzahl erhoffen können.

Zum Abschluss durfte ich noch einen weiteren spannenden Flug mit der ‘JO’ erleben.

Nach einem Bundesligaflug fand ich mich nachmittags bei zweifelhaften Wetter mit viel mittelhoher Bewölkung östlich des Frankfurter Luftraum wieder. Ich versuchte, diesen zu unterfliegen, um es zurück nach Nastätten zu schaffen. Auch wenn mich das viele Herumbasteln in niedrigen Höhen diese Saison oft langsam machte, so profitierte ich nun von der Gelassenheit, auch in 300 Metern noch entspannt nach Aufwinden suchen zu können. Ich erreichte den Taunus, musste dort aber auf Grund einer herannahenden Regenfront auf einem Flugplatz landen. Dort traf ich auf viele Teilnehmer der zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Clubklasse DM auf der Mönchsheide, die es ebenfalls nicht mehr weiter nach Westen geschafft hatten.



Die Erfahrungen, die ich in den letzten beiden Jahren machen durfte, hätte ich ohne die Förderung des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz nie machen können. Während ich im ersten Jahr noch viele technische Fertigkeiten lernte und so meine Schnittgeschwindigkeiten steigern konnte, so waren es in diesem Jahr auch die mentalen Fähigkeiten, mit Tiefpunkten während des Fluges klarzukommen, bzw. diese konsequenter zu vermeiden.

Deshalb möchte ich mich beim Luftsportverband Rheinland-Pfalz und beim Förderverein Streckenflug Rheinland-Pfalz bedanken, die jedes Jahr mit den zwei Förderflugzeugen ‘JO’ und ‘RP’ die Möglichkeit für Junioren schaffen, sich fliegerisch weiterzuentwickeln und konkurrenzfähig auf allen Ebenen mitzufliegen.

By | 2018-03-01T13:35:27+00:00 Dezember 26th, 2017|JO, Streckenflug|0 Comments

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Moritz fliegt seit 2013 beim Aero-Club-Nastätten. Seinen Schein hat er 2012 in Neuseeland gemacht. Dieses Jahr darf er den von Wilfried Großkinsky gesponserten OLC-Discus fliegen und wird hier über seine Erlebnisse berichten.

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