Ein kleiner Bericht zu zwei Hangflügen an der Bergstraße Mitte Januar.

Am 16. und 17. Januar versammelten sich einige Hangflugverrückte in Weinheim. Auch ich war an beiden Tagen dabei. Die gute Wetterlage hatte sich schon einige Tage vorher angekündigt, und so war die Motivation nach drei Monaten am Boden sehr hoch. Am Freitag zuvor hatte ich den OLC aus Münsingen abgeholt, denn Dieter Schwenk hatte den Hänger nach dem Umbau aus Slowenien wieder mitgebracht. Der Umbau wurde dann noch bei Schempp-Hirth abgenommen, wo mir auch netterweise beim Einbau der neuen Innenausstattung geholfen wurde. Und nun ergab sich direkt die Chance zum Fliegen.




Matthias Arnold und ich trafen uns am Dienstag Morgen um 8 Uhr in Weinheim. Zu zweit rüsteten wir die Flieger auf. Matze hatte einen Gast an dem Tag und flog deswegen Duo. Durch seine gute Bodenbeschaffenheit ist der Platz in Weinheim meist auch nach sehr feuchten Wetterphasen gut befliegbar und so hatten wir keine Bedenken, dass es Probleme geben könnte.

Während wir die Flieger aufrüsteten regnete es nun aber immer wieder, und wir steckten abwechselnd mit Flieger, Auto und Hänger fest. So war es zwar ein erstes Erfolgserlebnis, als wir kurz nach Mittag die Flieger fertig am Start stehen hatten. Aber Motivation wollte noch nicht richtig aufkommen, da wir auch komplett durchnässt und durchgefroren waren. Nun standen wir da und wunderten uns über unsere Naivität, keine Wechselklamotten mitgenommen zu haben.




Da die ‚Remo‘ leider gerade ihre 50-Stunden-Kontrolle hatte, mussten wir hinter dem Motorsegler starten. Matze ging als erster raus. Auf den ersten Metern schoben wir den Duo noch von hinten an, danach konnten wir nur beobachten, wie er sich gefühlt in Zeitlupe in Bewegung setzte. Von der Bahn spritzte das Wasser nach allen Seiten. Am Ende der Bahn hob der Motorsegler dann ab – allerdings ohne den Duo, der kurz vorher ausgeklinkt hatte. Obwohl keine Sekunde in der Luft, war der Rumpf von unten komplett mit Schlamm bedeckt.

Nach kurzer Beratschlagung über Anstellwinkeln und Gewicht der Vereins ASK 21 war nun aber klar, dass man mit einem Doppelsitzer heute nicht in die Luft kommen würde. Auch ich glaubte nicht mehr, es mit dem schweren Einsitzer in die Luft zu schaffen. Tobi, unser Schlepppilot, war aber bereit, es nochmal zu probieren. Ich nahm mir als Entscheidungspunkt den drittletzten Landereiter vor, damit auch Tobi noch genügend Platz zum Wegsteigen hätte, falls ich ausklinken würde.

Und tatsächlich, kurz vor meinem Entscheidungspunkt waren wir frei. Die Bahn in Weinheim hat eine Nord/Süd-Ausrichtung. Kurz nach dem Start griff der auf 80 km/h vorhergesagte Wind unter unsere Flächen und ließ den Segler im Schlepp wild hin und her tanzen.

In etwas über 700 Metern klingte ich aus und richtete den OLC nach Süden, Richtung ‚Ölberg‘ bei Schriesheim aus. Dieser Hangabschnitt geht meist sehr gut und katapultiert einen ins obere Stockwerk. In über 1000 Metern konnte ich an Heidelberg vorbei den Hang nach Süden ausfliegen.




Dort wieder kehrtgemacht und ab nach Norden, die sechs Schenkel brauchen am Hang weniger Überlegung. Da der Hang bei dem starken Wind auch weit oben gut ging, flog ich die meiste Zeit im oberen Höhenband. An schwächeren Tagen mit leichter Südkomponente kehrt man im Norden oft schon am Melibokus um, bei dem Wind war nun aber auch der leichte Knick Richtung Darmstadt gut fliegbar.

An der Burg Frankenstein geht es hier über schlecht landbares Gelände bis zur Grenze des Frankfurter Luftraums am Stadtrand von Darmstadt. Der Hangabschnitt zwischen Melibokus und Weinheim, der etwas flacher ist und manchmal problematischer, war an diesem Tag kein Problem.




Dennis Leip war inzwischen mit seiner ASH 26 gestartet und so konnten wir den vierten Schenkel nach Norden zusammen. Zu zweit konnte man gut die Linien am Hang vergleichen. Ich finde es immer wieder überraschend, wie weit draußen die beste Linie so hoch über dem Hang steht.

Als wir zum zweiten Mal im Norden wendeten, zog ein großer Schneeschauer auf Höhe Weinheim über die Bergstraße hinweg. Es war sehr interessant zu beobachten, wie der Wind danach deutlich schwächer wurde und den Hang mehr südlich anstrahlte. Es waren aber immer noch über 50 km/h, so dass auch der fünfte Schenkel nach Süden sehr gut lief.




Ich flog den ‚Ölberg‘ in ca. 550 Metern an und begann ab dort, die Fahrt etwas zurückzunehmen und Höhe zu gewinnen. Am Königsstuhl war ich so schon wieder 300 Meter höher und konnte den Schenkel noch etwas nach Süden verlängern. Nun rückte der Sonnenuntergang näher und Kälte breitete sich im Cockpit aus, hier musste ich der morgendlichen Aufbauaktion Tribut zollen.

So flog ich den 6. Schenkel nach Norden nur noch bis Bensheim und meldete mich in Weinheim zur Landung. Matze, der den Duo vollständig geputzt hatte, während wir geflogen waren, hatte am Boden schon alles vorbereitet, so dass wir mit letztem Tageslicht die Flieger abrüsten konnten.




Für den nächsten Tag war nochmal einiges an Wind vorhergesagt. Bevor am Donnerstag Sturmtief ‚Friederike‘ Deutschland voll treffen sollte, ergab sich so nochmals die Gelegenheit zu fliegen. Auch Matze hatte wieder Motivation getankt und so hatten wir uns für halb Neun am Flugplatz verabredet. Chris Hiller war ebenfalls aus Poltrigen angereist, um mit der BW3 am Hang zu fliegen.

Während morgens in Heidelberg noch super Wetter war, fegte nun auf dem Weg  nach Weinheim ein heftiger Schneesturm über die Autobahn und machte die letzten Kilometer zur Kriechpartie. Auch ein Vereinskamerad von mir, der aus Nastätten angereist war, hatte sich morgens im Schnee durch den Taunus kämpfen müssen. So kam ich in Weinheim an und wir konnten aus dem Vereinsheim zusehen, wie die Hänger eingeschneit wurden.

Hinter den Schneeschauern wartete aber die Sonne und so zogen wir die Hänger eine halbe Stunde später zum südlichen Platzende, um aufzurüsten. Diesmal mit großer Vorsicht, um uns nicht schon wieder auf dem matschigen Platz einzugraben. Heute war der Wind etwas nördlicher, so dass wir den Start nach Norden probieren wollten. Matze in der LS4 war schon an der Halbbahnmarkierung frei, und auch die Finn in der 9W, dem Discus 2c aus Weinheim, hatte beim Start keine Probleme.




Doch der OLC wollte sich hinter dem Motorsegler nicht richtig in Bewegung setzten, selbst nach hundert Metern konnte ich dem Flächenläufer noch zuwinken, und so musste ich am Ende der Bahn mit nur 70 km/h auf dem Stau ausklingen. Nachdem Tobi im Motorsegler gelandet war, besprachen wir, es nochmal in die andere Richtung zu probieren.

Und tatsächlich, wir erwischten einen trockeneren Streifen und konnten rechtzeitig abheben. Ich hatte mir vorgenommen, den Hang nun mal etwas tiefer als noch am vorherigen Tag zu fliegen. Ich tastete mich langsam nach unten und gewann Vertrauen in den Hang. Die letzten Schenkel flog ich im Höhenband zwischen 400 und 600 Metern. Das machte nicht nur unglaublich Spaß, sondern war auch spürbar schneller als am vorherigen Tag. Da ich die Schenkel aber alle nach Süden verlängerte, verhinderte ich einen noch etwas schnelleren Schnitt.

Interessant zu beobachten war der Vergleich der verschiedenen Routen ab dem ‚Ölberg‘ nach Süden. Alex Meinicke in der DG1000 aus Dannstadt war hier zunächst knapp zwei Kilometer hinter mit und etwa 100 Meter tiefer. Während ich begann, Höhe herauszuziehen, um südlich von Heidelberg noch verlängern zu können, flog er mit hoher Geschwindigkeit das vordere Hangsegment bei Heidelberg und machte nicht den ‚Umweg‘ über den Königsstuhl.

Am Emmertsgrund südlich Heidelberg führten unsere Routen wieder zusammen, Alex konnte nun hier Höhe herausziehen und war etwa einen Kilometer vor mir und wiederum nur 100 Meter tiefer. Zum Schnellfliegen ist wohl das vordere Segment deutlich besser geeignet, hin und wieder schafft man es aber am Königsstuhl sehr hoch, was dann die größere Strecke ermöglicht.




So konnte ich dort am Ende des Fluges auf knapp 1300 Meter steigen und probierte in Windrichtung, noch etwas Steigen zu finden. Das Rheintal ist hier wie eine riesige Spielwiese, die bei dem richtigen Wind an verschiedensten Stellen mit Rotoren, Wellen oder Ähnlichem aufwarten kann. Doch ich fand nichts und machte mich auf zur Landung in Weinheim.

Die Flieger waren nach der Landung nicht mehr als solche erkennbar, mit einem Wasserschlauch bewaffnet wurde der weiße Rumpf dann langsam wieder sichtbar. Auf dem Vorfeld blickte man aber nur in lachende Gesichter, und wir waren für die vielen Mühen mit tollen Flügen entschädigt worden.




By | 2018-01-28T22:19:25+00:00 Januar 28th, 2018|OLC|0 Comments

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Moritz fliegt seit 2013 beim Aero-Club-Nastätten. Seinen Schein hat er 2012 in Neuseeland gemacht. Dieses Jahr darf er den von Wilfried Großkinsky gesponserten OLC-Discus fliegen und wird hier über seine Erlebnisse berichten.

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